„Gemeinsam gegen Neonazis“ beim Filmtour-Treffen „Vernetzt Euch!“ in Weimar

Vom 13. bis 15. Oktober trafen sich in Weimar mehrere Bündnisse und Initiativen aus ganz Deutschland, die sich gegen Neonazis und für ein buntes, vielfältiges Zusammenleben engagieren. Veranstalter war das Freiburger Team von FilmFaktum, das in Weimar vor fünf Jahren die Filmtour des Dokumentarfilms „Blut muss fließen“ – Undercover unter Nazis startete. Auf der Tour haben die VeranstalterInnen die Initiativen vor Ort – also auch bei uns in Neumünster – kennengelernt, eingeladen und mit dieser Networking-Veranstaltung versucht, eine gemeinsame Haltung gegen Neonazismus zu entwickeln und für eine bunte, lebendige Demokratie zu werben. Tagungsort war die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Buchenwald, die den TagungsteilnehmerInnen geräumige Zimmer, viel frische Luft, Grün, ein wunderbares vegetarisches und veganes Essen, packende Gespräche im „Sofazimmer“ und noch viel mehr bot. In offenen Begegnungen haben wir uns ausgetauscht, Kontakte geknüpft und unsere Engagements vorgestellt.
In einem Interview mit “Radio Lotte” aus Weimar kommt der politische Filmemacher Peter Ohlendorf zu Wort und beschreibt, woher seine Leidenschaft für das Projekt herrührt. Das Projekt läuft jetzt wie gesagt 5 Jahre und Peter Ohlendorf ist mit seinem Film noch immer auf Tour, denn trotz der relativ alten Aufnahmen ist der Film aktueller denn je. So fanden in Thüringen letztes Jahr 12 Rechtsrockkonzerte mit 6500 Besuchern statt, das ist gut ein Fünftel der bundesweit stattfindenden Veranstaltungen. Es ist zu befürchten, dass gerade das von Rot/Rot/Grün geführte Thüringen das neue Mekka des Rechtsrock wird. Und so war es relativ schade, dass niemand aus dem Städtchen Themar nach Buchenwald kommen konnte. Allein in Themar fanden dieses Jahr im Juli bereits zwei größere Rechtsrock-Konzerte mit zusammen über 7000 Besuchern statt. Peter Ohlendorf beantwortet die Frage, ob er einen Wandel durch die Präsentation von „Blut muss fließen“ spürt.
Während der Aktionstage in Weimar fanden unterschiedlichste Vorträge und Podiumsdiskussionen statt, bei denen sich TeilnehmerInnen mit Neonazismus in der Stadt oder auf dem Land beschäftigt und Konzepte entwickelt haben, was gegen Deutschtümelei, Fremdenhass und Geschichtsrevisionismus zu tun ist. Alle waren sich einig, dass sie eine Aufgabe eint: unermüdliches Engagement und breiter Widerstand gegen bestehende Nazistrukturen mit ihrer Hasspropaganda und präventive Arbeit gegen rechte Gewalt. So forciert die Initiative „Mergentheim gegen Rechts“, die seit 2014 aktive Bildungs- und Recherchearbeit im baden-würtembergischen Main-Tauber-Kreis leistet, seit längerem die Vernetzung unterschiedlichster Menschen aus unterschiedlichsten Organisationen – von bürgerlichen Bündnissen bis Antifa. Mittlerweile betrifft die Vernetzung die gesamte Region: Main-Tauber, Schwäbisch-Hall, Neckar-Odenwald & Hohenlohe. In manchen Landkreisen funktioniert es gut, in manchen schlecht. Im Beitrag erfahren wir, welche Hürden es zu überwinden gilt. Für Mergentheim gegen Rechts spricht Timo Büchner, der auch die Broschüre „Organisierte rechte Strukturen zwischen Tauber, Kocher und Neckar“ entworfen hat. Diese Recherchen dokumentieren rechte Aktivitäten im Main-Tauber-Kreis, Hohenlohekreis & Neckar-Odenwald-Kreis von 2008 bis heute und geben Einblicke in ein rechtes Netzwerk. Die rechten Organisationen reichen von AfD, “Identitäre Bewegung Hohenlohe“ & “Studienzentrum Weikersheim“ bis “Hohenlohe wacht auf“, “Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) e.V.“ & NPD. Zudem beinhalten die Recherchen eine Chronik faschistisch motivierter Straftaten.

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