nationalsozialismus

Interview mit einer Zeitzeugin, die mit dem “Bürokrat des Tötens” Herbert Hagen zwei Jahre zusammengearbeitet hat

Der gebürtige Neumünsteraner Herbert Hagen war einer der Hauptverantwortlichen der Deportation von Juden aus Frankreich. Der Bürokrat des Tötens, dessen Geburtshaus sich in der Klosterstraße befand, wurde 1980 wegen Beihilfe zum Mord in 70.790 Fällen verurteilt. Seine Strafe musste er nur teilweise absitzen.

Franziska*, mit der ich heute spreche, ist im Mai 99 Jahre alt geworden. Sie ist in Duisburg-Hamborn geboren und auch dort aufgewachsen. Sie​​ lebt in einem Seniorenheim nicht weit von Duisburg-Hamborn. Ihr Gedächtnis ist erstaunlich klar. Nach den Angaben einer Kontaktperson zu Franziska stammten sie und ihr verstorbener Mann aus traditionell katholischen Familien und hatten mit den Nazis nichts am Hut. Nach dem Krieg hat sie an verschiedenen Orten für die britische RDR Division (Reparations, Deliveries and Restitution Division) gearbeitet. Ihr damaliger Chef bei RDR Division war Herbert Hagen, zuvor SS-Obersturmbannführer und Chef von Adolf Eichmann.

Ein Wort zur Gedenkstättenlandschaft in Schleswig-Holstein

In vielen Regionen Deutschlands findet derzeit ein Umbruch in der Gedenkstättenarbeit statt. Ich habe mit Dr. Harald Schmid von der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten gesprochen. Die Stiftung hat einen neuen Gedenkstätten-Wegweiser publiziert. Wer kennt schon das KZ Kuhlen, welches das nationalsozialistische Regime in der Nähe von Rickling auf kirchlichem Grund ein Konzentrationslager einrichten ließ, um darin politische Gegner*innen aus KPD und SPD zu inhaftieren? Das  dürfte insbesondere den jungen Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteinern nicht viel sagen. Aus den „Ricklinger Anstalten“ wurden Ende 1941 162 weibliche Opfer der sog. „Euthanasie“ in Tod geschickt. All dies erfährt man in dem neuen Gedenkstätten-Wegweiser.

Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Am 27. Januar kam nicht nur das Coronavirus vor einem Jahr nach Deutschland, sondern es war der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Aus der Rede des Präsidenten des schleswig-holsteinischen Landtags Klaus Schlie hören wir einen Ausschnitt und dazu einen Kommentar.

Zeitreise: Wir erinnern heute an Maria Busch, geborene Weiß

Die Verfolgung und Vernichtung eines Großteils der Familie, die mehrtägige Inhaftierung von Frau Busch selbst, hat enorme psychische und physische Spuren hinterlassen, auch wenn Maria Busch kein Deportationsopfer war. Wir erinnern an ihr Schicksal.

Der Trend geht zur Ablehnung von Straßenumbenennungen

Die Stadt Neumünster hat 2018 eine Kommission berufen, die einheitliche Entscheidungskriterien für den Umgang mit NS-belasteten Straßennamen in Neumünster entwickeln und gegebenenfalls Empfehlungen zu möglichen Umbenennungen aussprechen sollte. Dem voraus ging ein Antrag des Ratsherrn Jonny Griese von der Partei DIE LINKE im Februar 2017, der die Umbenennung der Agnes-Miegel-Straße in Neumünster-Brachenfeld forderte, nachdem Proteste der Antifaschistischen Aktion auf den unrühmlichen Straßennamen hinwiesen. Vorgestern traf sich die Kommission das letzte Mal und verabschiedete – so ein Kommissionsmitglied – nach langer Diskussion eine gemeinsame Position. Wir dokumentieren und kommentieren diese.

Gerettet, aber nicht befreit – Überlebende der Shoah in Schleswig-Holstein

Wer den Holocaust überlebte und in Schleswig-Holstein blieb, der musste kämpfen. Kämpfen um das tägliche Überleben, kämpfen um ‚Wiedergutmachung‘, kämpfen gegen den überall offen zu Tage tretenden Alltagsantisemitismus und kämpfen mit den Nationalsozialisten, die während der Nachkriegszeit in Schleswig-Holstein überall freundlich wieder integriert werden. Wir haben an der Führung durch die Sonderausstellung “Gerettet, aber nicht befreit” am Jüdischen Museum Rendsburg teilgenommen und mit der Historikerin Annette Mörke gesprochen.

8. Mai 2020 – Tag der Befreiung

Das Freie Radio Neumünster war bei der Gedenkveranstaltung dabei, die bereits gestern am 7. Mai im Friedenshain im Junglöwweg stattgefunden hat. In kleiner Runde legte der ver.di-Bezirk Südholstein zusammen mit dem DGB, der VVN-BdA und dem Friedensforum Neumünster einen Kranz nieder.

Der 8. Mai muss endlich Gedenktag werden – auch in Schleswig-Holstein!

Am 8. Mai jährt sich das Ende des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges in diesem Jahr zum 75. Mal. Und noch immer ist der 8. Mai in Schleswig-Holstein kein offizieller Gedenktag. Um auf diesen Misstand hinzuweisen, haben sich verschiedene Organisationen für die Petition “Der 8. Mai muss endlich Gedenktag werden – auch in Schleswig-Holstein” zusammengetan, um die Debatte wieder aufzunehmen. Unter anderem die Landesarbeitsgemeinschaft Gedenkstätten und Erinnerungsorte in Schleswig-Holstein. Dort engagiert sich Uta Körby. Wir haben mit ihr gesprochen.

Die Zerschlagung der Neumünsteraner Gewerkschaften 1933

Während auf der großen Maikundgebung – von Hitler zum “nationalen Tag der Arbeit” erklärt – keine Anzeichen von Spannungen zwischen NSDAP und Gewerkschaften bestanden, erstürmten am 2. Mai 1933 SA und Hilfspolizei das Gewerkschaftshaus in der Fabrikstraße 32. Sämtliches Vermögen wurde beschlagnahmt und Gewerkschaftsfunktionäre in “Schutzhaft” genommen. Ein kurzer Exkurs in die Geschichte Neumünsters.

Mit Mut und List

Europäische Frauen im Widerstand. Florence Hervé ist Autorin, Journalistin und Dozentin und hat zahlreiche Veröffentlichungen, u.a. zu den Themen Faschismus, Widerstand und Frauenbewegung herausgegeben. In dem Buch “Mit Wut und List” geht es um den so wichtigen Widerstand im Nationalsozialismus, der von Frauen geleistet wurde. Ingo Schumann hat dazu ein Gespräch mit Florence Hervé geführt.

Otto Heidemann: Mutmaßlicher Organisator eines Massenmords aus Neumünster

1943 war Otto Heidemann Gebietskommissar im Generalkommissariat Kiew und organisierte einen Massenmord an Menschen mit Behinderungen und Alten in Zolotonosha. Nach dem Zweiten Weltkrieg zieht er nach Neumünster und organisiert 1955 das sog. Nordmark-Treffen, ein Treffen von Altnazis. Der ukrainische Journalist Dmytro Dzhulay arbeitet ebenfalls an der Recherche zum Komplex der Verbrechen in Zolotonosha.

Gedenktafel für deportierte Sinti und Roma

Im Haart 38, dem historisch belegten Ort der Deportation der Sinti und Roma in Neumünster am 20. Mai 1940, soll das hier geschehene Unrecht im Stadtbild dauerhaft sichtbar gemacht werden. Wir dokumentieren den Beschluss der Ratsversammlung vom 17.12.2019. Bericht: Stefan Tenner / Kommentar: Ingo Schumann