Adler bekommt Probleme mit dem Horst

Thomas Hawk: Game Over (https://flic.kr/p/4GCtPX) – CC BY-NC 2.0

Bundesinnenminister Horst Seehofer hat am 23. Juni 2020 die rechtsextremistische Vereinigung „Nordadler“ verboten. Das als großer Schlag gegen die Szene propagierte Verbot kam überraschend, war doch der Verein „Nordadler“ wenig bekannt. Die sich selbst als „Träger des Nordlichts“ bezeichnenden Neonazis waren offenbar weitestgehend online aktiv. In der rechtsextremen Szene wird dieser Schlag dann auch entsprechend belächelt.

Dass der „Nordadler“ kein Wellensittich war, beweisen aber die Funde im Netz und die Aktionen der Personen, die der Organisation zuzurechnen sind. Die Gruppe bezieht sich auf den Nationalsozialismus und wollte u.a. ein völkisches Siedlungsprojekt auf dem Land aufbauen. Einige Mitglieder hatten zudem Anschläge geplant. Die auf Listen mit Namen und persönlichen Daten geführten Antifaschisten wollten Nordadler-Mitglieder im Fall des Zusammenbruchs der BRD “zur Rechenschaft” ziehen.

Am 24. Juni war die Nordadler-Facebook-Seite noch existent, der letzte Eintrag stammte vom 11. November 2018. Heute scheint die Seite vom Netz genommen worden zu sein. Sie gefiel circa 1500 Personen, darunter auch dem Rechtsextremisten Manfred Riemke von der NPD Mittelholstein, der dort die Facebook-Seite betreut.

Laut NDR-Recherche von 2018 soll der im Örtchen Katlenburg-Lindau in Niedersachsen wohnende Wladislav S. Kopf der Gruppe gewesen sein.

Wie Recherche Nord herausfand, hatte Wladislav S. an einer Demo 2018 in Erfurt teilgenommen, bei der auch die Bundesvorstände der Parteien „Die Rechte“ und NPD anwesend waren.

Screenshot: Patrick S. im Schleswig Holstein Magazin des NDR bei Neonazidemo am 14.11.2015 in Neumünster

Ebenfalls wird der Malermeister Patrick S. aus Appen im Bericht des NDR erwähnt. Er ist in Neumünster kein Unbekannter. So war S. bereits bei der am 14. November 2015 von „Neumünster wehrt sich“ durchgeführten Nazidemo am Start. Keine zwei Monate später, am 9. Januar 2016, ist S. dann Ordner und Demoleiter bei einer von Enrico Pridöhl organisierten Neonazidemo in Boostedt, die sich gegen die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende richtete.

Foto (privat): Neonazidemo am 9.1.2016 in Boostedt vor dem Sportlerheim

Anwesend waren circa ein Dutzend Rechtsextreme. Einer davon mit Kontakt in die Bundeswehr, Tobias D.

Anwesend war auch der 48-jährige Stephan L. aus Pinneberg: In seinem Profil auf Facebook nennt er sich „Widukind“ nach dem sächsischen Heerführer aus dem achten Jahrhundert nach Christi. Die Gruppe „Nordadler“ hantierte in ihren Gruppen und Chats sehr viel mit den Namen von Sachsenfürsten, die sie anscheinend kultisch verehren.

Stephan L., der selbst ernannte Widukind, stößt auf Facebook eine Warnung an alle Muslime aus und schreibt „Vergiß nicht Moslem, du bist hier nur geduldet“. Möglich, dass L. bei der Demo 2016 von „Nordadler“ angeworden wurde.

Anwesend im Januar 2016 in Boostedt war auch ein Mitglied der Weißen Wölfe Terrorcrew/Nationalkollektiv Hamburg, die zwei Monate später im März 2016 vom Bundesinnenminister verboten wurden: Mike Ö. aus Schwarzenbek. Er hatte sich am 01. Mai 2011 an einem Übergriff auf die DGB-Kundgebung in Husum beteiligt, die von mehr als 20 Neonazis aus dem Spektrum der NPD-Strukturen und der Kameradschaftsszene in Schleswig-Holstein und Hamburg angegriffen wurde.

Betrachten wir uns das Agieren von „Nordadler“ in den Messenger-Diensten. Auf Telegramm agierte die Gruppe unter dem Namen „Völkische Renaissance“ und betrieb kurzzeitig auch noch die Gruppe „völkische Gemeinschaft“.

Ein Hubert XVI mit dem Zusatz „Unterführer“ berichtete in einer Chatgruppe, dass er sich für 35 EURO einen SS-Dolch mit der Aufschrift „Alles für Deutschland“ bestellt hat und etwas enttäuscht davon war, weil es kein SA-Dolch ist.

 

 


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