Autonome Geschichte: Gynäkolog*innen in Neumünster 1985

Deckblatt der Broschüre “Gynäkologen in Neumünster”, herausgegeben der von der Autonomen Frauengruppe Neumünster

Die Autonome Frauengruppe Neumünster beschäftigte sich 1985 mit dem § 218 StGB, der durch verschiedene Maßnahmen der Bundesregierung, wie z. B. der Stiftung “Mutter und Kind — Schutz für das ungeborene Leben” und das Erziehungsgeld sowie durch die Diskussion um die Krankenkassenfinanzierung von Schwangerschaftsabbrüchen stark in der Öffentlichkeit angegriffen wurde.

Als Ergebnis der Untersuchung ließ sich am Beispiel der Gynäkologie festmachen, dass das patriarchalische und kapitalistische Gesellschaftssystem wesentlich zur Unterdrückung der Frauen beitrug. Das Selbstbestimmungsrecht der weiblichen Personen schien bei allen Gynäkolog*innen auf seine Grenzen zu stoßen.

Die Gesetzeslage 1985 war folgende:

Die Fristenregelung wurde 1974 vom Parlament beschlossen. Diese Fristenregelung wurde aber nicht wirksam, das Gesetz wurde vom Bundesverfassungsgericht kassiert. Das Urteil erkannte nur die Indikationslösung als verfassungsrechtlich haltbaren Grund für einen Schwangerschaftsabbruch an. Damals bestand inhaltlich folgende Regelung:
§ 218 Wer eine Schwangerschaft abbricht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder einer Geldstrafe verfolgt.
§ 218a Gründe für Straffreiheit
– Medizinische Indikation
Es besteht Gefahr für das Leben von Mutter und/oder Kind
– Eugenische Indikation – wurde 1995 abgeschafft
Erbschäden führen voraussichtlich zu einer Behinderung des Kindes
– Kriminologische Indikation
Die Schwangerschaft ist Folge einer Straftat (Vergewaltigung)
– Soziale Indikation
Die Fortsetzung der Schwangerschaft kann der Frau nicht zugemutet werden, weil eine nicht abwendbare soziale Notlage vorliegt
§ 218b — Die Schwangere muss sich einer Zwangsberatung bei einer anerkannten Beratungsstelle unterziehen
– Eine der Indikationsarten muss von einem zugelassenen Arzt bescheinigt werden
– Ein Gynäkologe, der zur Durchführung des Abbruchs bereit ist, muss gefunden werden

Wir haben im Interview mit Regine Lipka versucht, einen Vergleich zu heute herzustellen.


--

Support your local community radio! Mitarbeit beim Freien Radio mit Stimmrecht & Basis zum Mitsenden schafft eine Mitgliedschaft im Radioverein. Wer uns vor allem finanziell helfen will, kann einen Dauerauftrag einrichten oder wird Mitglied im Förderverein. Einmalige Spenden gegen eine Spendenquittung gehen auf das Vereinskonto (IBAN: DE19830654080004960963; BIC: GENODEF1SLR; VR-Bank Altenburger Land). Auch per Pay Pal. Danke!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.