Maler und Nazi Heinrich Basedow der Jüngere

Basedows Hitlerportrait auf dem Buchtitel der Kulturwissenschaftlerin Claudia Schmölders

Nach unserer Recherche zur NS-Vergangenheit des Malers Heinrich Basedow der Jüngere in der aktuellen Ausstellung in der Gerisch-Stiftung Neumünster haben wir weiter recherchiert. Außerdem hat die Muthesius Kunsthochschule in Kiel das Thema aufgegriffen und veranstaltet eine Debatte zum Umgang mit NS-Künstlern, zu der wir auch mit einem Vortrag zu unseren Recherchen eingeladen sind. Die Veranstaltung findet am 19. Dezember 2018 im „Kesselhaus“ der Muthesius in Kiel statt.

 

 

 

 


Frau Gerisch hat ja Herrn Basedow als „tollen Künstler“ mit „wunderbaren Bildern“, der ein „eigenständiges Werk“ geschaffen hat, bezeichnet. Als Nicht-Kunstschaffender kann ich mir hierüber kein Urteil erlauben. Ich fand es aber etwas bezeichnend, dass er seit über 35 Jahren nicht mehr nennenswert ausgestellt wurde. Worüber ich mir jedoch ein Urteil bilden darf, ist die Tatsache, dass er Adolf Hitler gemalt hat.

Ich habe seine Rolle im Nationalsozialismus beleuchtet. Ich plädiere auch nicht für eine Trennung zwischen künstlerischem Schaffen und dem politischen Wirken Basedows, so wie Anders Petersen und Brigitte Gerisch das tun. Gerisch meint, ein „Abstand der Geschichte“ sei erreicht. Das klingt nach „Nun ist aber gut mit der NS-Zeit“.

Dr. Bärbel Manitz, die Kuratorin der Ausstellung, sagt, dass Basedow Hitler persönlich begegnete. Claudia Schmölders, die wir interviewen konnten, sagte, Basedow sei Hitler nachgelaufen und habe ihn bei verschiedenen Veranstaltungen beobachtet, um ihn porträtieren zu können, denn ein „Modell-Sitzen“ war ja nicht möglich. Und schließlich hat er dann daraus ein „adorierendes“ Bildnis, ein ganz intimes Bildnis, geschaffen.

Frau Manitz sagt im Interview mit dem Freien Radio wörtlich: „Basedow hat keine Rolle in der NS-Zeit gespielt, da ist nichts zu finden“. Allerdings gibt es da ein paar Ungereimtheiten. Ich habe mir die Entnazifizierungsakte im Landesarchiv Schleswig-Holstein zeigen lassen.
Basedow hatte die NSDAP-Parteinummer 127075. Eine sehr niedrige Nummer. Und tatsächlich ist er bereits 1930 eingetreten und er blieb bis 1939 in der NSDAP.
Hier seine Zugehörigkeit zu weiteren NS-Organisationen:
SA-Anwärter November 1933 – 1934
Am 20.4.1934 wurde er SA-Sturmbannführer.
In der Reichskunstkammer war er von 1934 bis 1939. Wir haben ja gehört, dass sein Hitler-Porträt bei der Großen Münchner Kunstausstellung 1936 abgelehnt wurde.

Vom 25. August 1939 bis zur Kapitulation war Basedow Kommandeur (Rang: Korvettenkapitän M.A. d. Res.) der Marine-Flak-Abteilung 251 in Kiel.

Als solcher hat er sehr viele Auszeichnungen bekommen:
Frontkämpfer-Ehrenkreuz 1936, Sudetenkreuz 1938, Spange zum E.K. II 1940
Kriegsverdienstkreuz II. Kl. 1944, Kriegsverdienstkreuz I. Kl. 1944

Vom 3.8.1945 bis 4.12.1946 war Basedow in Neuengamme interniert.
Im Entnazifizierungsverfahren wurde er zunächst am 30.4.1948 als „Belasteter“ in Kat. III eingestuft. Das hieß:
-Ausschluss aus Betrieben in öffentlicher Verwaltung
-Ausschluss („Entfernung“) aus den Freien Berufen
-Beschränkung auf eine Stube (Wohnraumbeschränkung)
Dagegen hat er scheinbar Widerspruch eingelegt. Am 2.7.1948 wurde dann erneut mündlich verhandelt (Westring 33/41, Kiel). In der Spruchentscheidung, die von den Herren Schröder, Spretke, Schlarbaum, Tietje und Plage gefällt wurde, wurde er als „Mitläufer“ in Kat. IV heruntergestuft. Am 2. Juli 1948 wurde ihm dann der sog. Einreihungsbescheid zugeteilt (Strafe: 50 RM), gegen den er keinen Widerspruch einlegte.
Er hatte laut Urteil einen guten Leumund. Diese „Persilscheine“ haben ihm die folgenden Personen verschafft:

-Carl Lambertz, der besonders in Schleswig-Holstein bekannt gewordene Maler
-Gerhard Rumpf (möglicherweise der damalige Bürgermeister der Stadt Bremerhaven)
-Dr. med Albert Grote, ein Mediziner aus Vienenburg
-Hans Toussaint, Gründer der CDU in Essen. Toussaint setzte sich im Februar 1952 zusammen mit mehreren Landtagsabgeordneten für ein Gesetz zur Amnestie aller im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg begangenen Straftaten ein.

Carl Lambertz gilt gemeinhin als Nazigegner, bei den anderen ist eine Nazigegnerschaft nicht gesichert. Lambertz hat hervorgebracht, dass Basedow Goebbels einen „Asphaltliteraten“ nannte und sich über die Nationalsozialisten abfällig äußerte. Wir wissen nicht, ob das möglicherweise eine Gefälligkeit war. Lambertz lebte ja auch in einer eigenen Welt.

Literaturangaben:

Das Entnazifizierungsverfahren von Heinrich Basedow befindet sich in einer alphabetisch geordneten Sammelakte, aus dem Bestand des Entnazifizierungshauptausschusses der Stadt Kiel, im Landesarchiv Schleswig-Holstein:

„LASH Abt. 460.19 Nr. 32 Basedow, Heinrich“

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