Angriff auf Ex-Muslim in Flensburg

Foto: Ficko-Magazin

Anfang September kam es zu einem gewalttätigen Angriff auf den Ex-Muslim und säkularen Aktivisten Amed Sherwan in der Flensburger Innenstadt.

Amed Sherwan wurde im letzten Jahr auch medial bekannt, als er auf dem Christopher-Street-Day in Berlin ein T-Shirt mit der Aufschrift “Allah is Gay” trug.

Klaus Werner vom Flensburger Freien Radio Fratz hat mit ihm dazu gesprochen. Wir haben für das Infomagazin am 12. September 2019 Ausschnitte daraus gespielt und den Bericht heute mit dem unten stehenden Nachtrag aktualisiert. Das gesamte Interview ist hier nachhörbar.

Er berichtet darin über den Angriff am 5. September 2019, über mögliche Hintergründe und seine Aktivitäten.

Nachtrag:

Am 12. September 2019 hat Amed Sherwan folgendes Statement veröffentlicht:

Heute hat mich der Mann, der mich letzte Woche attackiert hat, freundlich auf der Straße angesprochen, auf einen Kaffee eingeladen und sich bei mir entschuldigt. Vermutlich hat er das auch aus Angst vor den Konsequenzen seiner Tat gemacht. Aber völlig unabhängig von der Motivation, wir hatten tatsächlich ein gutes Gespräch. Wir haben uns lange unterhalten und ich glaube, dass er nun besser versteht, was mich antreibt und dass ich ganz andere Sorgen habe, als Fotos von seiner Frau zu machen. Er scheint auch kapiert zu haben, dass es hier keine akzeptierte Form der Klärung ist, Leute zu verprügeln.

Und ich habe besser verstanden, wie solche Situationen entstehen. Er hat ein krasses Bild von mir gehabt und die Situation auf dem Straßenfest deshalb entsprechend gedeutet. Es gibt ganz offensichtlich viele Gerüchte über mich. Es gibt natürlich immer Leute die behaupten, dass ich nur Aktionen mache, um mir einen Aufenthaltsstatus zu sichern. Andere denken aber, dass ich vom Mossad bezahlt werde oder dass sonst wer mich für irgendwelche Zwecke benutzt. Er hatte offenbar das Gefühl, dass von mir eine Gefahr ausgeht und ist darin von seinem Umfeld bestärkt worden.

Wenn ein erwachsener, muslimischer Mann sich entschuldigt und zugibt, Scheiße gebaut zu haben, dann ist das ein sehr großer Schritt. Mein Kopf tut noch immer weh, aber ich weiß, dass ich etwas bei ihm bewegt habe. Ich weiß natürlich, dass deswegen noch lange nicht alle anderen meine Aktionen verstehen und tolerieren werden. Aber ich merke, dass meine Mission nicht völlig aussichtslos ist. Vor zwei Jahren hat mich niemand ernst genommen und eine ähnliche Situation ist ganz anders geendet. Diesmal haben sich viele Leute eingemischt und es ist zu einem Gespräch gekommen. Ziemlich gut!

Mehr Infos & Artikel:
blu.fm | Zentralrat der Ex-Muslime


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