Café Alerta II – Wer oder was sind eigentlich die Zapatistas?

Kolonialisierung, Lebensbedingungen der Indigenen heute, Aufstand 1994:

Wer oder was sind eigentlich die Zapatistas? Dazu hören wir heute Auszüge aus einem Vortrag des Hamburger Kaffeekollektivs Aroma Zapatista, den das Freie Radio im Rahmen des letzten Workshops-Wochenendes in der AJZ aufgezeichnet hat. Beginnen muss mensch da wohl mit einem Rückblick auf den Merkantilismus, das in Europa vorherrschende Wirtschaftssystem im Frühkapitalismus. Der Merkantilismus setzt auf ausbeuterischen Außenhandel, wollte vor allem Kolonien erobern, denen die Rohstoffe stehlen, sie im Mutterland in Manufakturen des Mutterlandes zu Endprodukten verarbeiten und diese wieder an die Kolonien verkaufen. Dieser Grundgedanke, der an moderne globalisierungskritische Texte erinnert, bestimmte auch die spätere Kolonialpolitik Spaniens und Portugals, die ganz Lateinamerika unter sich aufteilten. Mexico fiel in die Hände der spanischen Conquistadores, Tenochtitlán, die Hauptstadt der indigenen Hochkultur der Azteken, wurde dem Boden gleich gemacht und auf den Ruinen das heutige Mexico City errichtet, auch die Kultur der Maya, des Volks der Sonne, wurde vernichtet. Es folgten 500 Jahre Unterdrückung für die wenigen überlebenden Ureinwohner*innen, die unter sklavenähnlichen Umständen in Minen schuften mussten, aber noch heute oft marginalisierter und pauperisierter Teil der Gesellschaft sind. Das nur kurz umrissen die Beweggründe für den Aufstand der Zapatistas.

Es handelt sich hier also um einen Krieg David gegen Goliath, der ganz anders geendet wäre, wenn die Zapatistas nicht so einen Rückhalt in der Bevölkerung gehabt hätten. Auch international war es so, dass ihre Rebellion für einiges Aufsehen sorgte. Der französische Historiker Jérome Baschet, der auch an der Uni in San Cristobal de las Casas in Chiapas unterrichtet, verwies darauf, dass viele Linke weltweit zwar 1990 nicht mehr mit dem Sowjetkommunismus sympathisiert hätten, aber die plötzliche Alternativlosigkeit des Kapitalismus sie in eine Schockstarre versetzt habe, weshalb sie dann den Aufstand der Indigenen in Südmexiko euphorisch verfolgten. Endlich war wieder eine andere Welt denkbar, otro mundo es posible wurde ja auch der Slogan vieler Globalisierungskritiker*innen. Um die zapatistischen Gemeinden gegen die Übergriffe von Regierungstruppen und Paramilitärs zu schützen, sind auch das ganze Jahr über Menschenrechtsbeobachter*innen vor Ort, die Verstöße gegen den Friedensvertrag dokumentieren und melden. Das kann Übergriffe nicht ganz abwenden, aber zumindest größere Massaker verhindern. Wer sich für diese wichtige Arbeit interessiert, kann sich unter carea-menschenrechte.de informieren.

Wie schon gesagt gab es nach dem Aufstand der Zapatistas auch so etwas wie eine heldenhafte, überzogene Verehrung der Rebellen. Diese Revolutionsromantik erklärte die Indigenen mit den Sturmhauben unkritisch zu Helden. Das Hamburger Punk-Urgestein Die Goldenen Zitronen nutzen hier eher das Thema, um auf die
Kommerzialisierung und totale Inhaltsleere von Popmusik aufmerksam zu machen und sagen, dass die Zapatistas ihren Feind klar erkennen können, während er in den westlichen Gesellschaften und auch in der Musikindustrie oft versteckt daherkommt.

Wer die Zapatistas unterstützen will, kann wie schon erwähnt als Menschenrechtsbeobachter nach Mexico gehen – oder Kaffee trinken. Beispielsweiese hat das Kaffeekollektiv Aroma Zapatista (www.aroma-zapatista.de) aus Hamburg enge Verbindungen nach Chiapas und verkauft den fair gehandelten Bio-Kaffee der indigenen Kleinbauern hier im Norden, um den Dörfern bei der Erwirtschaftung ihres Existenzminimums zu helfen. Es soll auch in Neumünster versucht werden, eine regelmäßige Abnahme auf die Beine zu stellen. Wer da Interesse hat, kann sich gerne unter antifa-nms@riseup.net melden, oder eben über die Facebook- oder Twitter-Seite der Antifa Neumünster.


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